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Ohne Vision keine Richtung: Wie die Fachgruppe Change Strategiearbeit spielerisch erfahrbar macht (3)

Strategie – das klingt nach Vorstandssitzung, nach Folien und nach Frameworks, die am Ende in der Schublade verschwinden. Die buildingSMART-Fachgruppe "Change in der Bau- und Immobilienwirtschaft – Digitalisierung gestalten" hat in ihrem zweiten Sprint einen anderen Weg gewählt: Strategiearbeit nicht nur zu erklären, sondern sie buchstäblich auf den Tisch zu legen.

Warum Vision und Strategie im Change entscheidend sind

Veränderungsprozesse in der Bau- und Immobilienwirtschaft sind selten einfach. Sie betreffen viele Akteure, verlaufen über lange Zeiträume und stoßen auf unterschiedlichste Widerstände. Was dabei häufig fehlt, ist kein Werkzeug und keine Methode – es ist die Orientierung. Ohne eine klare Vision, ohne ein formuliertes Leitbild und ohne strategische Ziele bleibt Change oft das, was er nicht sein soll: Aktionismus. Man bewegt sich, ohne zu wissen, wohin.

Die Fachgruppe beschäftigt sich deshalb im zweiten Sprint intensiv mit der Frage, wie Strategiebewusstsein und Umsetzungswille entstehen – und wie man beides fördern kann, ohne ausschließlich auf klassische Kommunikationsformate wie Präsentationen oder Workshops zu setzen. Die Antwort, die das Team entwickelt hat, überrascht: durch ein Kartenspiel.

Strategie als Bindeglied – nicht als Endpunkt

Zunächst musste das Fundament gelegt werden. Was meinen wir eigentlich, wenn wir von Strategie sprechen? Im Kontext des Change-Managements versteht die Fachgruppe Strategie nicht als statisches Dokument, sondern als kontinuierlichen Prozess: Analyse, Optionsfindung, klare Positionierung, Prozessdesign und Implementierung. Strategie ist das Bindeglied zwischen Vision und Umsetzung.

Ohne Vision fehlt die Richtung. Ohne Strategie fehlt die Route. Ohne klare Ziele fehlt der Maßstab für Fortschritt. Diese drei Ebenen greifen ineinander – und genau dieser Zusammenhang ist es, den die Fachgruppe vermitteln will. Nicht als theoretisches Konstrukt, sondern als gelebte Praxis.

Die Idee: Change als Kartenspiel

Klassische Formate stoßen an ihre Grenzen, wenn es um Beteiligung und nachhaltiges Lernen geht. Wer kennt nicht die Strategiepräsentation, nach der alle zustimmend nicken und drei Wochen später wieder im Alltagsmodus sind? Die Fachgruppe wollte etwas anderes – etwas, das Diskussion auslöst, Perspektivwechsel fördert und das Verständnis für Zusammenhänge im Change-Prozess spielerisch erschließt.

Entstanden ist die Idee eines Kartensets, das zentrale Themen und Herausforderungen des Change-Managements strukturiert und erfahrbar macht. Die Karten folgen dabei einer bewährten Frage-Logik: Warum? Was? Wie? Wer? Die sogenannten Warum-Karten thematisieren Impulse für Veränderung – etwa staatliche Verpflichtungen, Marktdruck oder die langfristige Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Sie sollen Reflexion anstoßen und den Gesprächseinstieg erleichtern. Was-Karten klären Begriffe und helfen, ein gemeinsames Zielbild zu entwickeln. Wie-Karten bringen konkrete Change-Methoden als Antwort auf die jeweiligen Herausforderungen ins Spiel. Wer-Karten schließlich adressieren Rollen und Verantwortlichkeiten – eine Dimension, die in Veränderungsprozessen häufig unterschätzt wird.

In Workshops, Strategiemeetings oder Schulungsformaten eingesetzt, soll das Kartenset einen Rahmen schaffen, in dem Menschen miteinander über Veränderung sprechen – strukturiert, aber ohne die Schwere eines klassischen Strategieprozesses.

Spielerisch, aber fundiert

Es wäre ein Missverständnis, den Ansatz als bloße Spielerei abzutun. Hinter dem Kartenset steckt methodische Tiefe: Die Karten simulieren typische Change-Situationen, fordern aktives Zuhören und machen Zusammenhänge sichtbar, die in linearen Präsentationen leicht verloren gehen. Wer Karten zieht, Aufgaben zuordnet und gemeinsam Lösungswege diskutiert, denkt anders über Veränderung nach, als wer einen Foliensatz konsumiert.

Dieser Ansatz fügt sich nahtlos in die bisherige Arbeit der Fachgruppe ein. Nachdem im ersten Sprint emotionale Grundlagen des Change-Managements beleuchtet wurden – die Rolle von Emotionen, das Personas-Konzept, ein gemeinsames Vokabular –, geht es jetzt darum, wie strategische Orientierung entsteht und wie sie methodisch vermittelt werden kann.

Wie geht es weiter?

Das Kartenset befindet sich noch in der Entwicklung. Die nächsten Schritte sehen vor, das Tool methodisch weiter auszuarbeiten, in Pilotprojekten zu erproben und auf Basis von Rückmeldungen zu verfeinern. Die Erfahrungen aus ersten Spielrunden werden direkt in die Weiterentwicklung der Methoden und Formate der Fachgruppe einfließen.

Das Ziel bleibt dabei klar: Change muss verständlich, erlebbar und anschlussfähig sein. Veränderung beginnt mit Verständnis – und manchmal mit einer Karte auf dem Tisch.

Wer die Arbeit der Fachgruppe verfolgen oder aktiv mitgestalten möchte, kann sich unter fg-change@buildingsmart.de melden.