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Bundesregierung nimmt digitale Produktpässe und zirkuläres Bauen in den Fokus

Das Bundeskabinett hat am 3. Juni 2026 ein Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) beschlossen. Bis Ende 2027 sollen zwölf Maßnahmen umgesetzt werden. Insgesamt stehen dafür nach Regierungsangaben bis 2030 rund 565 Millionen Euro bereit, davon 260 Millionen Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds.

Produktpass, KI und vernetzte Datenräume

Eine Maßnahme der Strategie ist die Digitalisierungsinitiative zur Schließung von Stoffkreisläufen mittels Produktpass, KI und vernetzter Datenräume. Sie soll bestehende Initiativen koordinieren und digitale Lösungen skalieren. Konkret genannt werden die Einführung des Digitalen Produktpasses (DPP) auf Basis von EU-Regelungen und -Normen, der Aufbau industrieller Datenräume, KI-Anwendungen sowie ein „Circular Economy Information Ecosystem“ (CEIS) als branchenübergreifende Dateninfrastruktur. Das Programm sieht zudem ein Kompetenzteam für Digitale Produktpässe sowie eine Koordinierungsstelle vor. Ein besonderer Fokus liegt auf Interoperabilität und dem Schutz sensibler Unternehmensdaten sowie auf der Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen.

Was sich für die Baubranche konkret ändert

Das Programm macht für die Bauwirtschaft konkrete Vorgaben: Das Bewertungssystem „Nachhaltiges Bauen“ (BNB) wird weiterentwickelt. Es soll die Kreislauffähigkeit von Gebäuden bewerten und verbindliche Anforderungen an die Rückbaufähigkeit, Reparierbarkeit sowie Recyclingfähigkeit von Bauwerken, Bauteilen und Baustoffen verankern. Auf Bauwerksebene werden die Materialfußabdruck-Indikatoren RMI (Raw Material Input – die zur Herstellung eines Produkts entnommene Rohstoffmenge) und TMR (Total Material Requirement – der gesamte Materialaufwand, einschließlich ungenutzter Entnahmen wie Abraum) in die Ökobilanz einbezogen.

Beide Kennzahlen zeigen die tatsächliche Ressourcenintensität eines Gebäudes, was über die CO₂-Bilanz hinausgeht. Der Einsatz von Sekundärrohstoffen im öffentlichen Bausektor soll gezielt gesteigert werden. Daneben fördert das Programm serielles und modulares Bauen sowie den kreislauffähigen Leichtbau.

„Gebäude sind Rohstofflager"

Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) erklärte: „Was wir heute verbauen, soll morgen kein Abfall sein. Gebäude sind Rohstofflager mit einem nutzbaren Materialwert, das müssen wir viel stärker berücksichtigen. Mit dem Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie sorgen wir dafür, dass Baumaterialien immer wieder in den Kreislauf zurückfließen. Das stärkt die Rohstoffsicherung, macht die Wirtschaft resilienter, schützt das Klima und hilft, die Baukosten zu stabilisieren.” Die Digitalisierung und KI seien dabei das wichtigste Werkzeug, erklärte die Ministerin weiter, sie würden den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes von Anfang an planbar machen.

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) betonte: „Das Aktionsprogramm für die Kreislaufwirtschaft ist gut für die Umwelt und gut für die Zukunft der Wirtschaft. [...] Kreislaufwirtschaft macht unsere Wirtschaft unabhängiger. Sie schützt unsere Unternehmen, wenn internationale Lieferketten brüchig werden oder Handelswege blockiert sind."

Kritik und offene Flanken: Wo das Aktionsprogramm Fragen aufwirft

Das Aktionsprogramm steht unter einem Finanzierungsvorbehalt. Zudem kritisierten Wirtschafts- und Umweltverbände das Programm als zu unambitioniert. Der Bunderverband der Deutschen Industrie monierte, die Regierung bleibe im „Ankündigungsmodus“. Vertreter der Entsorgungswirtschaft bemängelten, dass die öffentliche Beschaffung zu wenig als Hebel genutzt werde. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) stellt etwa die Hälfte der Unternehmen digitale Produktdaten bereit; nur 18 Prozent davon in standardisierter Form. Besonders letzteres sei jedoch eine zentrale Voraussetzung für den kommenden digitalen Produktpass.

Das vom Bundeskabinett verabschiedete Aktionsprogramm setzt die NKWS aus dem Jahr 2024 um. Es flankiert den europäischen „Clean Industrial Deal” und den „Critical Raw Materials Act” (CRMA). Der CRMA sieht vor, dass bis 2030 25 Prozent des Bedarfs an strategischen Rohstoffen aus Recycling gedeckt werden sollen.

 

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