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Baubranche unter Dauerdruck: PwC-Studie zeigt Lücke zwischen Erkenntnis und Umsetzung

Die deutsche Bauindustrie kennt ihre Baustellen – doch bei der Bearbeitung kommt sie nur langsam voran. Das ist der zentrale Befund der aktuellen PwC-Studie "Die Herausforderungen der Bauindustrie". Kostendruck, Projektverschiebungen und geopolitische Unsicherheit prägen das Bild. Zugleich zeigt die Erhebung: Ausgerechnet bei der Digitalisierung, die als zentraler Produktivitätshebel gilt, bremsen fehlende Kompetenzen und eine erstaunlich zurückhaltende Nachfrage der Auftraggeber.

Für die im Mai 2026 veröffentlichte Studie hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zwischen Januar und März 2026 insgesamt 150 Entscheiderinnen und Entscheider telefonisch befragt – darunter 70 Bauunternehmen, 30 Planungsbüros und erstmals auch 50 Bauzulieferer. Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer Branche, die sich seit Jahren im Krisenmodus befindet und deren Transformation dennoch nicht an Dringlichkeit verloren hat.

Kostendruck dominiert – Zulieferer als Frühwarnsystem

An der Spitze der Belastungsfaktoren steht mit großem Abstand der Kostendruck: 91 Prozent der Befragten sehen sich davon betroffen. Bemerkenswert ist die Dynamik dieser Entwicklung – noch 2022 rangierte das Thema lediglich auf Platz vier der Herausforderungen. Parallel dazu berichten drei von vier Unternehmen, dass Bauprojekte verschoben oder vollständig gestrichen werden.

Auch die geopolitische Lage hinterlässt deutliche Spuren: Bei Planungsbüros ist der Anteil stark betroffener Unternehmen binnen eines Jahres von 43 auf 64 Prozent gestiegen. Die höchste Betroffenheit weisen mit 68 Prozent die erstmals befragten Bauzulieferer auf. Da diese am Anfang der Wertschöpfungskette stehen und Belastungen aus volatilen Rohstoffpreisen, gestörten Lieferketten und handelspolitischen Unwägbarkeiten sukzessive weitergeben, interpretiert PwC ihre Lage als möglichen Frühwarnindikator für die gesamte Branche.

Hoffnungsträger Sondervermögen – mit Vorbehalt

Einen Lichtblick sehen viele Unternehmen im Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität: Zwei Drittel der Befragten erwarten davon in den kommenden fünf Jahren positive Effekte auf ihre Geschäftstätigkeit. Die größten Wachstumschancen verorten vier von fünf Unternehmen in der Verkehrs- und Energieinfrastruktur, gefolgt von Rechenzentren, die zusätzlich vom KI-Boom profitieren. Um sich zu positionieren, setzen sechs von zehn Befragten auf Kooperationen mit neuen Partnern; insbesondere Planungsbüros investieren zudem in Schulungen und Fachkräfteaufbau.

PwC-Partnerin Rebekka Berbner mahnt allerdings zur Geduld: Das Sondervermögen werde nur dann wirksam, wenn die politische Intention reibungslos in konkrete Bauprojekte übersetzt werde. Für die Industrie sei es vor allem die Gelegenheit, jetzt in Fähigkeiten, Partnerschaften und neue Geschäftsmodelle zu investieren.

Digitalisierung: hohe Erwartungen, wachsende Kompetenzlücke

Der für die digitale Transformation der Branche aufschlussreichste Teil der Studie betrifft den Stand der Digitalisierung. Die strategische Bedeutung digitaler Technologien ist unbestritten, die Erwartungen an KI-basierte Anwendungen sind hoch: Vier von fünf Befragten sehen hier großes bis sehr großes Potenzial. Doch die Lücke zwischen erkanntem Potenzial und eigener Kompetenz wächst. Bei KI ist sie im Jahresvergleich von 57 auf 64 Prozentpunkte gestiegen.

Drei Viertel der Unternehmen nennen fehlendes fachliches Know-how als zentrale Hürde. Bereits das dritte Jahr in Folge steht dieser Punkt an der Spitze. Hinzu kommen wachsende Anforderungen an die Cybersicherheit. Auffällig ist zudem ein Befund auf der Nachfrageseite: Nur 17 Prozent der Befragten berichten, dass digitale Lösungen in Vergabeverfahren stark oder sehr stark eingefordert werden. 2021 lag dieser Wert mit 32 Prozent noch fast doppelt so hoch. Die Digitalisierung wird damit zwar branchenweit als Hebel für Produktivität, Transparenz und Effizienz anerkannt, ist in den Kernprozessen vielerorts aber noch nicht verankert.

PwC-Partner Christian Elsholz verweist in diesem Zusammenhang auf die Erfahrungen mit BIM: Eine Ernüchterung wie bei der Einführung der BIM-Methode könnten sich die meisten Unternehmen beim Thema KI schlicht nicht leisten. Die Technologie sei nun für alle verfügbar – wer das Momentum nutze, erarbeite sich eine starke Wettbewerbsposition.

Nachhaltigkeit emanzipiert sich von der Regulatorik

Trotz zuletzt entschärfter regulatorischer Vorgaben bleibt Nachhaltigkeit auf der Agenda: 87 Prozent der Befragten geben an, dass die Bedeutung von ESG in ihrem Unternehmen gleichgeblieben oder gestiegen ist. Als Treiber gewinnen Reputation und Mitarbeitendenbindung an Gewicht, während der regulatorische Druck an Einfluss verliert. Nachhaltigkeit entwickelt sich damit von einer extern gesetzten Anforderung zu einem strategischen Führungsthema. Der Reifegrad bleibt jedoch begrenzt: Zwar haben drei Viertel der Unternehmen ESG-Ziele definiert, häufig beruhen diese aber auf Einzellösungen statt auf durchgängiger Steuerung.

Was die Befunde für Open-BIM bedeuten

Aus Sicht von buildingSMART Deutschland bestätigt die Studie zwei zentrale Handlungsfelder. Erstens: Wenn fehlendes Know-how seit drei Jahren die größte Digitalisierungshürde darstellt, führt an systematischer Qualifizierung kein Weg vorbei: und zwar von der Aus- und Weiterbildung bis zu standardisierten Zertifizierungen. Zweitens: Der Rückgang digitaler Anforderungen in Vergabeverfahren steht in auffälligem Kontrast zur politischen Zielsetzung, etwa der angekündigten verbindlichen BIM-Anwendung bei Bundesbauprojekten. Damit digitale Methoden in den Kernprozessen der Branche ankommen, braucht es Auftraggeber, die offene, herstellerneutrale Standards konsequent einfordern – und eine Branche, die das dafür nötige Wissen aufbaut. Die von PwC angesprochene "Ernüchterung" beim Thema BIM unterstreicht dabei weniger ein Scheitern der Methode als die Notwendigkeit, Erwartungsmanagement, Kompetenzaufbau und Interoperabilität von Beginn an zusammenzudenken.

Die vollständige Studie "Die Herausforderungen der Bauindustrie" ist auf der Website von PwC Deutschland abrufbar.