
KI trifft BIM: Studierende entwickeln intelligente Modelle zur IFC-Analyse
bSD Campus: Interview mit Nik Ansre und Yara Hirsekorn, Jade Hochschule Oldenburg
22. buildingSMART-Anwendertag in Essen: Wir sprachen mit Nik Ansre und Yara Hirsekorn über die von ihnen entwickelte und auf unserem bSD Campus präsentierte KI-Lösung. Der bSD Campus ist ein Präsentationsformat, bei dem vor allem Studierende, junge Nachwuchskräfte und Start-ups ihre Projekte einem breiten Fachpublikum vorstellen können. Die Teilnehmerinnen ud Teilnehmer unseres Anwendertags erhalten gleichzeitig die Gelegenheit, mit zukünftigen Fachkräften ins Gespräch zu kommen.
Yara, Nik, was habt ihr für eine Anwendung zu uns auf den Anwendertag zum buildingSMART Campus mitgebracht?
Nik Ansre: Wir haben zwei KI-Modelle mitgebracht: Mini-Spyra und IwI-Spyra. Mini-Spyra ist ein Allround-KI-Modell, das einem bei allgemeinen Dingen, aber auch BIM-Themen unterstützen soll. Das andere, IwI-Spyra, ist ein Reasoning-KI-Modell, was ganze IFC-Dateien analysiert und interpretiert.
Klingt spannend. Welche Mehrwerte bieten eure Anwendungen für die Nutzerinnen und Nutzer?
Yara Hirsekorn: Ich würde behaupten, dass unsere Modelle die Interaktion mit den Programmen einfacher machen, vor allem mit den Dateien. Man muss sich die Datei nicht mehr selbst anschauen und die Informationen raussuchen, sondern kann einfach mit der KI chatten und beispielsweise fragen: Was hat das Element für ein Volumen? Welche Maße hat es?
Die Analyse und eventuelle Bearbeitung der IFC-Dateien befindet sich noch in der Entwicklung, aber es wird schnell reifen.
Das heißt, eure Lösung knüpft unmittelbar an den IFC-Standard an und kann daher auch vor allem in BIM-Projekten verwendet werden?
Egal ist dabei, ob man Revit, SketchUp oder sonstige Software benutzt. Es ist also eine sehr offene Lösung.
Die Anwendung (IwI-Spyra) versteht den IFC-Standard unabhängig von der Software. Sie versteht, wie IFC-Dateien funktionieren und kann Informationen ganz softwareunabhängig aus der reinen IFC-Datei interpretieren.
Wie seid ihr auf die Idee dazu gekommen?
Yara Hirsekorn: Angefangen haben wir vor anderthalb Jahren mit einem Wahlpflichtkurs an der Hochschule in Oldenburg, in dem wir einfach nur schauen wollten, inwiefern ChatGPT mithilfe von Python Code parametrisch entwerfen kann. Da sind wir schnell an Grenzen gestoßen und haben dann überlegt: Was können wir selber machen und wie können wir das weiterentwickeln? Wir sind dann über unser Mini-Spyra Allrounder-Modell auf die IFC-Schiene gekommen und haben geschaut, was mit einem relativ kleinen Basis-Modell möglich ist und was man damit bereits rausholen kann. Dem Thema des Parametrischen Entwerfens könnte man sich dann mit einem größeren Basismodell wieder zuwenden.
Ihr habt gerade schon gesagt, dass ihr euch noch an der Schwelle zur Anwendung befindet. Wie geht es weiter?
Yara Hirsekorn: Gerade arbeiten wir an einem größeren Basis-Modell. Die Frage der Finanzierung ist dabei ein zentrales Thema und natürlich auch, wie dieses Modell dann verwendet wird.
Momentan sind unsere KI-Modelle noch hochschulintern, wir versuchen sie gerade erstmal dort für die Studierenden zur Verfügung zu stellen. Schön wäre es natürlich, wenn man ein größeres KI-Modell hätte, was man auch der Allgemeinheit zur Verfügung stellen kann.
Bis jetzt richtet sich das eher an Planerinnen und Planer oder ist es perspektivisch auch von anderen nutzbar?
Nik Ansre: Wir befinden uns momentan noch in unserem Fachbereich, den wir gut kennen. Dementsprechend sind unsere bisherigen Modelle auch überwiegend an Planerinnen und Planer gerichtet. Aber natürlich wollen wir perspektivisch ein Chatportal haben, was alle nutzen können und was alle unterstützt. Es wäre auch eine Überlegung, statt einem Allrounder-Modell mehrere fachspezifische Modelle zu haben, welche je nach Bedarf untereinander kommunizieren können. Also beispielsweise ein Modell für IFC, ein Modell für BIM und ein Modell für Bauvorschriften, welche einzeln, aber auch zusammen verwendet werden können. So könnte man mehrere Bereiche abdecken.
Vielen Dank für das Gespräch.
Hier geht es zum Studiengang Urban Design von Yara Hirsekorn und Nik Ansre.
Die aktuellen Beiträge zu IFC und anderen buildingSMART-Standards finden Sie hier:
- IFC-Struktur im Bauwesen, Gespräch mit Felix Kretschmann
- Einsatz von IFC im Brandschutz
- Gespräch mit Dr. Thomas Liebich: "Die Struktur des IFC 4.3-Standards ist final"
- Interview zu IDS mit Andreas Kohlhaas