
Studie belegt Einsparpotenzial von rund fünf Prozent im Bundesfernstraßenbau durch BIM
Lohnt sich BIM im Infrastrukturbau auch wirtschaftlich? Ein Forschungsprojekt der RWTH Aachen im Auftrag des Bundesministeriums Verkehr liefert dazu erstmals belastbare Zahlen. Auf Basis historischer DEGES-Projekte ermittelten die Forschenden ein durchschnittliches Einsparpotenzial von rund fünf Prozent der Baukosten.
Große Infrastrukturprojekte stehen unter besonderer Beobachtung, wenn es um Termin- und Kostentreue geht. Die DEGES Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH setzt deshalb seit Jahren auf Building Information Modeling. Belastbare Untersuchungen zum konkreten wirtschaftlichen Mehrwert der Methode im Bundesfernstraßenbau fehlten in Deutschland bislang allerdings weitgehend.
Diese Lücke soll das Forschungsprojekt "Wirtschaftlichkeitsuntersuchung zur Anwendung der BIM-Methode" schließen, das im Auftrag des Bundesministeriums Verkehr (BMV) durchgeführt wird. Wie die DEGES am 22. September 2026 mitteilte, liegen nun die Ergebnisse des ersten Arbeitspakets vor.
Ergebnis im Zielkorridor des Masterplans BIM
Das Institut für Baumanagement, Digitales Bauen und Robotik im Bauwesen der RWTH Aachen hat anhand von Daten abgeschlossener DEGES-Projekte die dort aufgetretenen Kostenabweichungen analysiert. Anschließend simulierten die Forschenden, wie sich diese Abweichungen beim Einsatz von BIM entwickelt hätten. Demnach lassen sich durch den gezielten Einsatz der Methode im Durchschnitt rund fünf Prozent der Kosten einsparen.
Nach Angaben von DEGES-Projektleiterin Madeline Bard bewegt sich das Ergebnis damit innerhalb der Spanne von drei bis sechs Prozent, die der Masterplan BIM Bundesfernstraßen als Zielwert formuliert. Den Einsparungen stehen vergleichsweise geringe BIM-spezifische Investitionen gegenüber. Das Verhältnis von Nutzen zu Aufwand beziffert die Studie auf knapp 20 zu 1.
Aufwendige Datengrundlage
Die Berechnungen erforderten umfangreiche Vorarbeiten. Die DEGES stellte dem Forschungsteam Datensätze aus ihren SAP-Systemen sowie Kosten- und Terminpläne zur Verfügung. Aus rund 2.500 Datensätzen filterten die Beteiligten in mehreren Schritten 28 Projekte heraus, für die alle benötigten Informationen wie Kostenfortschreibungen und Erläuterungen vollständig vorlagen. Ergänzend identifizierten Forschende und DEGES-Fachleute aus Controlling und BIM-Management in zahlreichen Interviews die jeweiligen Kostenursachen.
Madeline Bard räumt ein, dass die Auswertung historischer Projekte eine erhebliche Herausforderung darstellte. In der Vergangenheit habe der Bau im Vordergrund gestanden und weniger die strukturierte Ablage von Projektdaten, wie sie für nachträgliche Analysen erforderlich ist. Deutliche Vorteile der BIM-Methode sieht sie vor allem bei Planungsänderungen, Abstimmungsbedarf und Schnittstellenproblemen.
Datenqualität als Schlüssel
Über den Wirtschaftlichkeitsnachweis hinaus verdeutlicht die Studie nach Einschätzung der DEGES die Bedeutung sauberer Datenqualität. Das Unternehmen wisse nun genauer, welche Daten künftig strukturiert erfasst werden müssen, um den Nutzen digitaler Methoden fortlaufend zu belegen und zu steuern.
An diesem Punkt setzen die Arbeitspakete 2 und 3 an. Dort wird derzeit eine Kennzahlensystematik entwickelt und erprobt, mit der die DEGES die Wirksamkeit von BIM künftig kontinuierlich im Projektalltag überprüfen kann.