
Sachsen-Anhalt: Straßenbaubehörde nimmt gemeinsame Datenumgebung in Betrieb
Die Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt (LSBB) hat eine zentrale digitale Arbeitsplattform für Infrastrukturprojekte freigeschaltet. Mit der „LSBB.CDE" rückt das Land bei der Einführung der BIM-Methode im Straßen- und Brückenbau einen Schritt weiter und setzt dabei auf das Kernprinzip der Methode: eine gemeinsame Datenbasis für alle Beteiligten.
Wenn an einem Bauprojekt Planer, Behörden und externe Partner mit unterschiedlichen Versionsständen arbeiten, entstehen Reibungsverluste, Missverständnisse und Fehler. Genau an diesem Punkt setzt die neue Plattform an, die die Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt Anfang Juni 2026 in Betrieb genommen hat. Die „LSBB.CDE" – das Kürzel steht für Common Data Environment – soll künftig die zentrale digitale Arbeitsumgebung für Planung und Bau von Straßen- und Brückenprojekten im Land bilden.
Verkehrsministerin Dr. Lydia Hüskens stellte die Plattform in Halle (Saale) vor. Ziel sei ein modernes, standardisiertes und effizientes Projektmanagement im Straßenbau, bei dem alle Beteiligten auf denselben aktuellen Datenstand zugreifen: von Modellen und Plänen über Protokolle bis zu Genehmigungsunterlagen. Vereinfachte Abstimmungen, beschleunigte Prozesse und weniger Planungsfehler nannte die Ministerin als erwartete Effekte.
Das Prinzip: eine Datenbasis statt vieler Versionen
Der entscheidende Unterschied zur konventionellen Planung liegt in der gemeinsamen digitalen Datenbasis. Kommunikation, Zusammenarbeit und Dokumentation finden innerhalb der Common Data Environment statt – einem zentralen Datenraum. So wird sichergestellt, dass jederzeit mit den aktuellsten Informationen gearbeitet wird.
Damit das funktioniert, stellt die LSBB.CDE standardisierte Prozesse und Strukturen bereit. Dazu zählen ein einheitliches Rechte- und Rollenmanagement, verbindliche Dateinamenskonventionen, digitale Prüf- und Freigabeworkflows sowie ein integriertes Modell- und Dokumentenmanagement. Es sind genau jene organisatorischen Festlegungen, die darüber entscheiden, ob eine CDE im Projektalltag tatsächlich Ordnung schafft oder nur ein weiterer Datenspeicher bleibt.
Vom Pilotprojekt in die Praxis
Konkret wird die Plattform an zwei Vorhaben erprobt. Als erstes Projekt wird die geplante Ortsumgehung Weißenfels im Zuge der Bundesstraße 87 (Südtangente) auf der neuen LSBB.CDE vorbereitet. Das rund 10,5 Kilometer lange Neubauvorhaben ist Teil des Bedarfsplans für die Bundesfernstraßen sowie des Investitionsgesetzes Kohleregionen. Im ersten Schritt werden die Daten der Vorplanung auf die neue Plattform migriert.
Wie digitale Zusammenarbeit in der Praxis aussieht, zeigt die LSBB bereits am Projekt „B 184 Ortsumgehung Roßlau–Tornau". Dort kommen umfangreiche digitale Modelle schon heute zur Koordinierung zwischen Planern, Behörden und weiteren Beteiligten zum Einsatz. Sie unterstützen unter anderem die Abstimmung mit Trägern öffentlicher Belange sowie mit der Roßlauer Schiffswerft, deren laufender Betrieb während der späteren Bauarbeiten berücksichtigt werden muss.
Regelmäßige digitale Projektbesprechungen direkt am Modell sowie georeferenzierte Hinweise und Anmerkungen sollen eine transparente und nachvollziehbare Bearbeitung auch komplexer Fragestellungen ermöglichen. Ergänzt wird die Zusammenarbeit durch Drohnenbefliegungen und Visualisierungen des künftigen Bauablaufs.
Landesbaubehörden setzen verstärkt auf BIM
Die Initiative aus Sachsen-Anhalt fügt sich in eine bundesweite Entwicklung: Immer mehr Landesbaubehörden setzen die BIM-Methode im Infrastrukturbau um und schaffen dafür zunächst die organisatorischen Grundlagen – Rollen, Konventionen, Workflows. Dass die LSBB die CDE in den Mittelpunkt stellt, ist dabei mehr als ein technisches Detail: Die gemeinsame Datenumgebung ist das organisatorische Rückgrat jedes BIM-Projekts. Entscheidend für den langfristigen Nutzen wird sein, dass die zugrunde liegenden Datenstrukturen und Austauschformate offen und herstellerneutral gestaltet sind. Nur so lässt sich die in solchen Vorhaben entstehende Datenbasis über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks und über wechselnde Projektbeteiligte hinweg nutzen. Vom Neubau bis in den späteren Betrieb.