Karte von NRW und Deutschland.Bild: KI-generiert / buildingSMART Deutschland
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NRW zeigt: BIM-gestützter Bauantrag funktioniert in der Praxis

Nach zwei Jahren intensiver Erprobung in acht Kommunen liegen nun die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie “BIM-MRL LBO NRW” vor. Demnach hat modellbasierte Einreichung von Bauanträgen den Praxistest bestanden.

Die zweijährige Studie der Ruhr-Universität Bochum, die mit knapp 400.000 Euro aus dem Landesprogramm „Innovation in der Bauwirtschaft” gefördert wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass digitale Gebäudemodelle Genehmigungsverfahren nicht nur beschleunigen, sondern auch vereinfachen und qualitativ verbessern können. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Modellierungsrichtlinie, die Vorprüfung und die Prüfregeln zusammen als ein System gedacht werden.

Neun Bauvorhaben in acht Kommunen

Für die Studie wurden neun Bauvorhaben in acht Kommunen untersucht: Bochum, Dortmund, Herne, Essen, Düsseldorf, Köln, Münster und der Kreis Herford. Die Projekte reichten von Schulbauten über Wohn- und Bürogebäude bis hin zu einem Kulturgebäude im Bestand. Erprobt wurden dabei drei Verfahrensansätze: die rein BIM-basierte Prüfung, die parallele Prüfung neben dem konventionellen Verfahren sowie die modellbasierte Auswertung im Nachgang.

Offene Standards bereiten den Weg

Projektleiter Professor Dr. Markus König von der Ruhr-Universität Bochum stellte die Studienergebnisse am 23. April 2026 im Ausschuss für Bauen, Wohnen und Digitalisierung des Landtags Nordrhein-Westfalen vor. Laut dem Sachstandsbericht der Landesregierung hängt der Erfolg nicht von einzelnen Softwarelösungen ab, sondern von klaren Standards, einer verlässlichen Qualitätssicherung und der Einbindung notwendiger Kontextdaten. Etwa zu Lageplan, Geländehöhen oder Brandschutz.

Im Rahmen der Studie prüften die Projektbeteiligten die IFC-Modelle vor der Übergabe in engem Austausch mit den Planenden. Grundlage dafür war der offene buildingSMART-Standard IDS. Die regelbasierte Prüfung stellt sicher, dass Modellierungsrichtlinien unabhängig vom Autorensystem eingehalten werden.

Dieser Weg wurde gewählt, da die Vorprüfung eine entscheidende Rolle einnimmt: Wenn Planende ihre Modelle bereits vor der Einreichung anhand definierter Prüfregeln testen können, sinkt die Zahl der Rückfragen und die Qualität der Anträge steigt. Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen plant, diese formale Vorprüfung über das Bauportal NRW öffentlich verfügbar zu machen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass sich wiederkehrende Prüfschritte teilautomatisiert prüfen lassen, indem relevante Daten direkt aus dem Modell extrahiert und abgeglichen werden. Dies ersetze zwar keine behördliche Entscheidung, stütze diese aber durch einen fachlich fundierten Abgleich, heißt es. So gewinnen die Genehmigungsbehörden den nötigen Freiraum für komplexe Einzelfälle.

NRW nimmt Vorreiterrolle ein

NRW nimmt im Feld des BIM-gestützten Bauantrags bundesweit eine Vorreiterrolle ein. Bereits im Februar 2021 erteilte die Stadt Dortmund die erste BIM-basierte Baugenehmigung in Deutschland. Die Stadt Bochum entwickelte die erste öffentlich verfügbare Modellierungsrichtlinie zur Landesbauordnung. Bauministerin Ina Scharrenbach fasst zusammen: „Es handelt sich nicht um ein fernes Zukunftsthema, sondern um einen praktikablen Ansatz, um vorhandene digitale Informationen besser zu nutzen und behördliche Verfahren schrittweise weiterzuentwickeln."

Nächste Schritte: Bauportal, Piloten, Länderaustausch

Als nächste Schritte sind die Veröffentlichung der aktualisierten Modellierungsrichtlinie über das Bauportal NRW sowie weitere Pilotierungen in den Kommunen geplant. Perspektivisch soll auch die semi-automatische Teilprüfung von BIM-Modellen unterstützt werden. Zudem führt das Ministerium Austauschgespräche mit anderen Bundesländern als Themenpate, zum Beispiel mit Mecklenburg-Vorpommern.

 

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