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Digitale Souveränität bleibt die offene Flanke der Immobilienwirtschaft

Die Immobilienwirtschaft investiert weiter in Digitalisierung, ist dabei aber in hohem Maße von wenigen großen IT-Anbietern abhängig. Das zeigt die elfte Digitalisierungsstudie von ZIA und EY Parthenon. Für buildingSMART Deutschland unterstreichen die Ergebnisse, welche Bedeutung offene Standards für die digitale Handlungsfähigkeit der Bau- und Immobilienwirtschaft haben. 

"Digitale Souveränität" klingt zunächst nach einem Thema, das man guten Gewissens an die IT-Abteilung weiterreichen könnte. Das wäre allerdings ein Fehler. Im Kern geht es um eine einfache, aber zentrale Frage. Wie viel Kontrolle wollen Unternehmen über die digitalen Grundlagen behalten, auf denen sie künftig planen, bauen und betreiben?

Wie aktuell diese Frage ist, zeigt die Digitalisierungsstudie 2026, die der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) und EY Parthenon am 10. September 2026 in Berlin vorgestellt haben.

Investitionen auf stabilem Kurs

Der Befund fällt zunächst positiv aus. Die Mehrheit der Unternehmen investiert auch unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen weiter in die Digitalisierung, und die technologischen Grundlagen gelten in der Branche als weitgehend etabliert. 61 Prozent der Befragten haben ihre Digitalisierungsbudgets erhöht. Der Anteil kleiner Budgets von einem bis fünf Prozent des Umsatzes ging von 62 auf 48 Prozent zurück, mittlere Budgets von 11 bis 20 Prozent stiegen von 2 auf 8 Prozent. 70 Prozent der Unternehmen berichten von spürbaren Kosteneinsparungen und Effizienzgewinnen durch die Digitalisierung.

Die hemmenden Faktoren sind bekannt. Genannt werden vor allem der Fachkräftemangel mit 74 Prozent, die Kosten mit 68 Prozent und die Datenqualität mit 62 Prozent. Erstmals erfasst wurden fehlende digitale Kompetenzen einschließlich Cybersicherheit, die 45 Prozent als Hindernis angeben.

Resilienz wird angestrebt, aber kaum gemessen

Als zentrales Ergebnis benennt die Studie eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit, denn digitale Resilienz wird zwar angestrebt, aber selten gemessen, kaum getestet und zu wenig aktiv gesteuert. Lediglich jedes zehnte Unternehmen erfasst seine digitale Resilienz vollständig, knapp ein Drittel misst digitale Maßnahmen überhaupt nicht. Prognose- und Frühwarnsysteme setzen nur 14 Prozent umfassend ein, mehr als jedes dritte Unternehmen verzichtet ganz darauf.

Aufschlussreich für die BIM-Community ist ein weiterer Befund. Digitale Technologien kommen vor allem dort zum Einsatz, wo regulatorische Vorgaben und Effizienzgewinne unmittelbar wirken. Digitale Zwillinge oder Predictive Maintenance sind bislang dagegen noch die Ausnahme. Dr. Lars Scheidecker, Partner bei EY Parthenon, führt Resilienz auf das Zusammenspiel von Dateninfrastruktur, klarer Governance und dem konsequenten Schritt vom Pilotprojekt in den Rollout zurück.

Souveränität als Ziel, Abhängigkeit als Realität

Besonders deutlich zeigt sich die Diskrepanz beim Fokusthema digitale Souveränität. Mehr als zwei Drittel der Befragten betrachten technologische Unabhängigkeit als strategisches Ziel, zugleich geben 70 Prozent an, in hohem Maße von wenigen, großen IT-Anbietern abhängig zu sein. Multi-Vendor-Strategien und europäische Alternativen sind in der Branche bislang wenig verbreitet.

Gleichzeitig wächst der Bedarf an digitalen Technologien weiter. 96 Prozent erwarten, dass Künstliche Intelligenz in den kommenden fünf Jahren für ihr Geschäftsmodell relevant wird, der höchste Wert aller abgefragten Technologien. Cloud und Big Data halten 94 beziehungsweise 79 Prozent für unverzichtbar.

Einordnung aus Sicht von buildingSMART Deutschland

"Da steckt ein interessanter Widerspruch drin", sagt Prof. Dr.-Ing. Cornelius Preidel, Vorstandsvorsitzender von buildingSMART Deutschland. "Wir wollen immer digitaler werden und müssen gleichzeitig darüber reden, wie abhängig wir dabei werden wollen."

Digitale Souveränität bedeute dabei nach seinen Aussagen weder Abschottung noch den Anspruch, alles selbst zu entwickeln. Entscheidend sei, Wahlmöglichkeiten zu behalten. Daten müssten zugänglich und langfristig nutzbar bleiben, Systeme müssten miteinander kommunizieren können und Informationen dürften nicht in einzelnen Anwendungen eingeschlossen sein.

Genau hier setzt die Arbeit von buildingSMART an. "Offene Standards sind vielleicht nicht das lauteste Thema der Digitalisierung, aber ein wesentliches Fundament", sagt Cornelius Preidel. "Sie schaffen Interoperabilität. Interoperabilität schafft Wahlfreiheit. Und Wahlfreiheit ist eine Grundvoraussetzung für digitale Souveränität."

Seit mehr als 30 Jahren setzt sich buildingSMART für diesen Ansatz ein. Erledigt ist das Thema damit keineswegs. Mit Cloud-Plattformen, digitalen Zwillingen und Künstlicher Intelligenz gewinnt die Frage nach Offenheit und digitaler Selbstbestimmung erneut an Gewicht.