
Landratsamt Rottweil
Lage: Königstraße 36, 78628 Rottweil
Bauherr: Landratsamt Rottweil
Projektdauer: 2021 bis 2027
Planung: a+r Architekten GmbH
BIM-Anwendungsfälle: 010, 040, 050, 060, 080, 100, 190
Der Kopf des neuen Landratsamtes markiert auf harmonische Weise das Tor zur Innenstadt von Rottweil. Einladend öffnet sich der Haupteingang zum neuen Stadtplatz und schiebt sich in diesen öffentlichen Raum. Durch die neue Anordnung des Entwurfs senkrecht zum Stadtplatz verbindet der Neubau die bestehenden Gebäude miteinander und bildet ein gemeinsames Ganzes. Der Stadtplatz hat eine öffentliche Funktion als Entrée und Vorplatz des neuen Landratsamtes. Die bestehenden Bäume werden in Baumbouquets zusammengefasst und durch Sitzbänke gefasst. Aus ökologischen Gründen und als Referenz zum Schwarzwald wurde eine Holzhybridkonstruktion auf einem erdgeschossigen Recycling-Betonsockel gewählt.
Der zentrale öffentliche Eingangsbereich führt zur Erschließungshalle mit einem offenen Treppenaufgang bis ins oberste Geschoss. In dieser halböffentlichen vertikalen Haupterschließung befinden sich die frequentierten Besucherbereiche mit Beratungsräumen. Abgetrennt davon, nur für Mitarbeiter zugänglich, befinden sich die Bürobereiche: Die Grundrisse sind flexibel und zukunftsoffen gestaltet. Durch die Anordnung als Dreibund ist der Neubau offen für Hybride Bürokonzepte. Auf dem obersten Geschoss befindet sich der zusammenschaltbare Sitzungssaal und eine Cafeteria. Außerdem ist eine Dachterrasse geplant, die bei Veranstaltungen auch für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht werden könnte.

Abbildung 2: Visualisierung Landratsamt Rottweil
Bildcredit: a+r Architekten GmbH
BIM als Planungsmethode
Das Planungsbüro a+r Architekten GmbH aus Stuttgart strebt mit dem Einsatz der BIM-Methodik an, die Planungsqualität über alle im BIM-Prozess integrierten Fachdisziplinen hinweg zu erhöhen sowie eine Optimierung der Kommunikation und Kollaboration aller Projektbeteiligten herbeizuführen. Um dies zu erreichen, haben sich die Architekten mit den Fachplanern zusammengetan und die Standards und den Workflow des BIM-Prozesses für die Planung des Neubaus abzustimmen. Die Planungsmethode wird in der LP 3-5 für die Objekt- und Fachplanung angewendet. Auch die Massen und Mengenermittlung erfolgt phasenabhängig mit Hilfe der generierten Daten aus dem 3D-Modell. Das Projekt wird mit dem Grundgedanken des Open-BIM abgewickelt. Ein regelmäßiger modellbasierter Datenaustausch zwischen den Projektbeteiligten stellt dabei die Koordination und Interoperabilität sicher. Der BAP wurde dem Bauherrn vorgestellt und damit auch für die spätere Nutzung, z. B. das Facility Management festgelegt.
BIM-Umsetzung im Projekt
Regelmäßige Qualitätskontrollen stellen sicher, dass die vereinbarten Standards aus dem BAP, die im BIM-Modellplan präzisiert sind, in der Modellerstellung eingehalten werden. Die Fachplaner Jour-Fixes und die BIM-Koordinationssitzungen werden virtuell anhand der Koordinationsmodelle durchgeführt. Für eine strukturierte und transparente Kommunikation mit den Fachplanern wird das BIM Collaboration Format BCF benutzt.
Die BIM-Anwendungsfälle
Zur Unterstützung einer effizienten und zielgerichteten Entscheidungsfindung und zur Stärkung der Vorstellungskraft werden Visualisierungen aus dem 3D-Modell erstellt. Mit diesen Visualisierungen können die Entwürfe und Detailplanungen dem Bauherrn als 3D-Perspektive präsentiert werden. Damit fällt es sehr viel einfacher, Ideen und Vorstellungen zum fertigen Gebäude bereits zu frühen Planungsphasen zu erläutern. Der Bauherr nutzt dann wiederum diese Perspektiven, um diese den späteren Nutzern nahezubringen. Außerdem werden aus dem nativen 3D-Modell auch 2D-Ableitungen der Grundrisse, Schnitte und Ansichten erstellt. Die Pläne werden mit intelligenten Beschriftungsbildern und Flächenvisualisierungen der diversen Informationen (wie z. B. der Feuerwiderstandsklasse) ergänzt. Damit sind Informationen und Darstellung zu jederzeit verknüpft. Durch die Anpassung, z. B. einer Wand, ändern sich Grundriss, Schnitt, Ansichten und eventuelle Bauteillisten direkt mit.

Abbildung 3: Schnitt 3D-Modell
Bildcredit: a+r Architekten GmbH
Alle Modelle (IFC-Format) werden von der Gesamtkoordination in einem federierten Gesamtkoordinationsmodell zusammengeführt und im BAP festgelegten, regelmäßigen Abständen anhand definierter Kollisionsprüfregeln in einer Koordinationssoftware geprüft.
Die Modelle werden dann auch für die Massen- und Mengenermittlung der Kostenberechnung oder die jeweilige Ausschreibung verwendet. Mit entsprechend hinterlegten Attributen lassen sich so schnell Bauteilgruppen definieren sowie modellbasierte Auswertungen, wie Tür-, Raum- und Flächenlisten, generieren. Diese basieren auf einem konsistenten Gebäudedatenmodell und können über den gesamten Planungsprozess hinweg genutzt werden. Die komplexe, gewerkeübergreifende Schlitz- und Durchbruchsplanung erfolgt ebenfalls gemäß BIM-Methode. So werden von den Fachplanern digitale Durchbruchsvorschläge (ProvisionForVoid im IFC-Format) zwischen TGA (Technische Gebäudeausrüstung), Tragwerk und Architektur ausgetauscht, geprüft und freigegeben, wodurch Fehler frühzeitig erkannt und Baukosten reduziert werden. Bei Freigabe der Durchbrüche werden diese dann in die Werk- und Schalpläne übernommen. Die Informationen dieser Durchbrüche werden als Volumenkörper und deren Attribute durch das IFC-Austauschformat übermittelt, sodass mögliche Fehler bei der Übernahme vermieden werden.

Abbildung 4: Isometrie
Bildcredit: a+r Architekten GmbH

Über a+r Architekten
Das Büro a+r Architekten GmbH wurde 1985 von Prof. Gerd Ackermann und Prof. Hellmut Raff als Ackermann+Raff GbR in Tübingen gegründet. Heute wird das Büro durch die drei Partner Oliver Braun, Florian Gruner und Alexander Lange geleitet. An den beiden Standorten Tübingen und Stuttgart arbeiten rund 130 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, elf davon als Leitende Architekten.