
Einführung der BIM-Methode beider BVG Projekt GmbH
Rückblick anhand von Pilotprojekten
Die Einführung der BIM-Methode in der BVG Projekt GmbH begann 2019 mit dem Anspruch, BIM nicht als reines Werkzeug, sondern als unternehmensweit wirksame Abwicklungs- und Steuerungsmethode für Infrastrukturbauvorhaben zu etablieren. Ziel war die Etablierung einer wiederholbaren, prüfbaren und skalierbaren Arbeitsweise auf Basis klar definierter Informationsanforderungen, eindeutig zugewiesener Rollen, transparenter Zusammenarbeit sowie einer belastbaren Datenbasis als Grundlage für fundierte Entscheidungen über alle Projektphasen hinweg. Die Umsetzung erfolgte bewusst schrittweise über Pilotprojekte – als strukturierter Lernprozess von der Erprobung über die Etablierung bis hin zur Standardisierung.
Rückblickend lässt sich diese Entwicklung in vier Reifephasen beschreiben. In der Pilotierung stand zunächst die grundsätzliche Machbarkeit im Vordergrund: modellbasierte Koordination, erste Informationsanforderungen sowie die Integration der BIM-Methode in bestehende Projektstrukturen. In der anschließenden Konsolidierung wurden die praktischen Erfahrungen systematisch ausgewertet und in konkret anwendbare Vorgaben überführt, etwa durch klar definierte Lieferobjekte, wie beispielsweise BAPs oder Koordinationsmodelle, verlässliche Prüf- und Freigabeprozesse sowie eine nachvollziehbare Schnittstellenlogik. Mit der Etablierung erfolgte eine stärkere organisatorische Verankerung der BIM-Methode: Rollen, Verantwortlichkeiten und Qualitätsmechanismen wurden nicht mehr projektspezifisch neu definiert, sondern als wiederverwendbare Standards etabliert. In der Standardisierung ging das Vorgehen schließlich in einen Regelbetrieb mit definierter Governance, Templates und skalierbaren Prozessen über.
Waisentunnel – Pilotierungs- und Konsolidierungsphase
Lage: Berlin Mitte
Den Ausgangspunkt der BIM-Implementierung bildete im Jahr 2019 der Ersatzneubau des Waisentunnels. In diesem Projekt wurden die grundlegenden BIM-Strukturen aufgebaut. Dazu zählte ein erstes, gemeinsam getragenes Rollenverständnis, initiale Informationsanforderungen sowie definierte Modell- und Abstimmungsroutinen. Gleichzeitig entstand ein praxisnahes Verständnis dafür, welche Informationen für die Steuerung und Entscheidungsfindung tatsächlich relevant sind. Der folgende Planungs- und Bauabschnitt „Sanierung Waisentunnel“ diente als unmittelbare Validierungs- und Weiterentwicklungsphase der BIM-methodischen Umsetzung. Der Schwerpunkt lag dabei auf der weiteren Schärfung der Informationslieferungen je Meilenstein, der Etablierung standardisierter Prüfprozesse sowie dem routinierten Umgang mit Schnittstellen. Insbesondere unter den Anforderungen des Bauens im Bestand wurde deutlich, wie wichtig es ist, Unsicherheiten transparent abzubilden und methodisch steuerbar zu halten.

Abbildung 1: Ausschnitt aus dem Koordinationsmodell inklusive Stadt- und Logistikmodell
Bildcredit: © BVG Projekt GmbH
Verlängerung U3 – Etablierungsphase
Lage: Berlin, Steglitz-Zehlendorf
Mit der Verlängerung der U3 zum Mexikoplatz erfolgte der Übergang in die Phase der Etablierung der BIM-Methode innerhalb der GmbH. Die Lessons Learned aus den vorangegangenen Projekten wurden gezielt aufgegriffen und systematisch weiterentwickelt. Ein wesentlicher Schritt war die Bereitstellung einer auftraggeberseitig verantworteten CDE, die zum methodischen Kern der Zusammenarbeit wurde. Das Ergebnis waren nachvollziehbare Workflows, eine verbindliche Versionierung, klare Freigabe- und Entscheidungslogiken sowie eine deutliche Reduzierung paralleler Daten- und Kommunikationsstrukturen. Die BIM-Methode wurde damit nicht mehr als separate Fachdisziplin verstanden, sondern als integraler Bestandteil der Projektorganisation, einschließlich klar definierter Informationsmeilensteine als wirksames Steuerungsinstrument.

Abbildung 2: Querschnitt Haltestelle U-Bahnhof Mexikoplatz
Bildcredit: © BVG Projekt GmbH
Verlängerung U8 – Standardisierungsphase
Lage: Berlin Reinickendorf
Mit dem vierten Pilotprojekt, der Verlängerung der U8 ins Märkische Viertel, wurde die Phase der Standardisierung erreicht. Standardisierung wird dabei als ein klar definierter, projektübergreifend anwendbarer Leistungs- und Methodenumfang verstanden. Dazu zählen wiederverwendbare Vorlagen, eindeutig geregelte Verantwortlichkeiten, ein stabil etablierter CDE-Regelbetrieb sowie eine routinierte Qualitätssicherung. Der entscheidende Reifegewinn liegt in der Verlässlichkeit des Vorgehens: Die projektbezogene Anwendung von BIM ist nicht mehr neu oder experimentell, sondern erwartbar, prüfbar und reproduzierbar in die Projektabwicklung integriert.

Abbildung 3: Modellbasierte Variantenuntersuchung
Bildcredit: © BVG Projekt GmbH
Weiterführung und Innovationsausbau
Heute bildet die standardisierte BIM-Anwendung die Grundlage für die Ausweitung auf weitere Infrastrukturvorhaben. Das aufgebaute methodische und organisatorische Wissen wird gezielt genutzt, um BIM auch auf überirdische Infrastrukturneubauvorhaben anzuwenden und zusätzliche Innovationspotenziale zu erschließen. Auf diese Weise wird aus der Pilotierung ein unternehmensweiter Standard und aus der Standardisierung die tragfähige Basis für Skalierung und Weiterentwicklung.

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