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Effektive Open-BIM-Kommunikation mit webbasierten BIM-Tools

Ein Lösungsansatz für eine verbesserte Kommunikation

Jan Krieger

Herzstück eines jeden Open-BIM-Projekts ist die Kommunikation. Erfolgt sie uneinheitlich, führt das zum Verlust von Informationen. Doch es gibt eine Lösung: ganzheitliche modellbasierte Kommunikation.

Die ganzheitliche Kommunikation innerhalb des Bauprojekts stellt bei jedem Open-BIM-Vorhaben eine große Herausforderung dar. Von der Planung bis zur Bauausführung oder gar Inbetriebnahme sollen alle Projektbeteiligten die für sie relevanten Informationen auf dem aktuellen Stand erhalten und sich dazu transparent und agil abstimmen können.

Der Austausch untereinander erfolgt jedoch häufig über unterschiedliche Kanäle und, dem Open-BIM-Charakter entsprechend, mit verschiedenen Softwaretools. Dies birgt Risiken für Informationsverluste. Eine holistische Kommunikationsstrategie, die sich über den Lebenszyklus eines Gebäudes statt über einzelne Leistungsphasen oder Anwendungsfälle erstreckt, ist eher die Ausnahme als die Regel. Wie ganzheitliche Kommunikation modellbasiert funktioniert und welche Vorteile sie für ein Open-BIM-Projekt mit sich bringt, erläutern wir im Folgenden anhand von webbasiertem Issue- und BAP-Management.

Softwareübergreifendes Issue-Management stärkt den Kommunikationsfluss

Ein Issue bezeichnet in einem BIM-basierten Planungsprozess die Identifizierung und Prüfung etwaiger Anmerkungen, Sachverhalte, Kollisionen und Probleme zwischen den einzelnen BIM-Modellen oder auch Ausführungsmängel in der Realisierung. Diese sind im Rahmen des Planungs- und Ausführungsprozesses in einer Vielzahl zu erwarten und werden digital erfasst und publiziert. Das BCF (BIM Collaboration Format) bildet die Schnittstelle für den Austausch modellbasierter Issues.

Dies sieht im Open-BIM-Kontext zum Beispiel so aus: In einer beliebigen Autorensoftware mit BCF-Schnittstelle wird eine Aufgabe (Issue) erstellt und einem Planer zugewiesen, der in einer anderen Autorensoftware arbeitet. Er öffnet nun die Aufgabe, wird direkt an die richtige Stelle im Modell geführt und kann die ihm zugewiesene Aufgabe gleich in seinem Planungsmodell bearbeiten.

Für die nachvollziehbare Verfolgung und Steuerung einzelner Issues empfiehlt sich während der Planungs- und Ausführungsphase eine BCF-fähige, (für Open-BIM) idealerweise (Autorensoftware-)neutrale, webbasierte Plattform, die die Darstellung und Auswertung der Issues für alle Beteiligten nachvollziehbar abbildet. Dies bietet weitere Vorteile:

  • Transparente und für jeden Projektbeteiligten zugängliche Kommunikationsplattform
  • Einfache, standort- und softwareunabhängige Kommunikation zwischen verschiedenen Projektbeteiligten
  • Optimierte Modellkommunikation und eindeutige Zuordnung dank BCF-gestützter Issue-Erstellung mit Modellbezug
  • Archivierung aller über den Projektverlauf erstellter Issues, Protokolle, Nachträge, Änderungen usw.
  • Auswertbarkeit eines Projektes im Hinblick auf aktuelle Arbeitsstände
  • Automatisierte Aufgabenerinnerung durch klar definierte Fristen
  • Saubere Kommunikationsschnittstelle zwischen Bauausführung und Planung durch Rückkommunikation von Abweichungen mittels BCF-basierter Aufgaben zur Berücksichtigung im BIM-Modell
  • Integration zusätzlicher Daten ins BIM-Modell, die während der Bauausführung erhobenen werden und für den Betrieb/das As-built-Modell relevant sind

Issue-Management-Vorteile für einzelne Projektbeteiligte

Dieser webbasierte Kommunikationsansatz zum Issue-Management wirkt sich auf die verschiedenen Projektbeteiligten in perspektivischer Hinsicht unterschiedlich aus:

  • Bauherrn gewinnen eine transparente Übersicht und belastbare Dokumentation, die Unwägbarkeiten und negative Überraschungen auf ein Minimum reduziert.
  • Planer profitieren von verlässlicher, eindeutiger Modellkommunikation mit allen Beteiligten und von vereinfachten, modellbasierten Planungsbesprechungen.
  • Bauausführende Gewerke erleben darüber hinaus eine optimierte Rückführung von Planungsabweichungen, die auf der Baustelle ersichtlich wurden.
  • Das BIM-Management erhält eine verbesserte Projektübersicht und kann den aktuellen Projektstand detailliert nach diversen Kriterien auswerten und potenzielle Problemstellen frühzeitig identifizieren.
  • Auch die BIM-Gesamtkoordination kann dank der klareren Projektübersicht effizienter arbeiten und die Koordinationsprüfung mittels gezielter BCF-basierter Issues von kritischen und/oder gruppierten Kollisionen einfacher durchführen.
  • Für die BIM-Fachkoordination lässt sich die modellbasierte Qualitätsprüfung leichter umsetzen und der allgemeine Austausch über BIM-Fachmodelle besser handhaben.

Angewandtes Issue-Management im Projekt 

Bei der Kollisionsprüfung und der Qualitätssicherung von BIM-Modellen geht das Issue-Management folgendermaßen vonstatten: Der Gesamtkoordinator erstellt Issues in einer Koordinationssoftware und weist diese den verantwortlichen Planern zu. Anschließend werden die Issues in den Koordinationsmeetings zwischen BIM-Gesamtkoordination/-Management und Planern besprochen. Nach jeder Koordinationsprüfung erstellt der BIM-Gesamtkoordinator neue Issues oder aktualisiert die neuen und bestehenden Issues.

Webbasiertes Issue-Management unterstützt eine ganzheitliche und für alle einsehbare Protokollierung von Besprechungen und Fortschritten. Sobald das Projektteam in der Besprechung eine Aufgabe identifiziert, wird direkt ein entsprechendes Issue erstellt, von den Besprechungsbeteiligten der verantwortlichen Person zugewiesen und mit einer Frist zur Fertigstellung oder Wiedervorlage versehen. Dies fördert eine transparente, vertrauensvolle Kollaboration innerhalb des Projektteams, indem Zuständigkeiten klar verteilt und für jeden einsehbar sind. Da Meetings vorrangig der gemeinsamen Auswertung individuell erarbeiteter Ergebnisse dienen, werden die Prozesse und die Kommunikation effizient gehalten.

Beim Aufbau des As-built-Modells kann der Issue-Management-Prozess verschiedene Phasen des Bau-Zyklus auf der Modellkommunikationsebene miteinander verbinden, und so die Qualität des As-built-Modells erhöhen. Die Einbindung der digitalen Baustelle in den modellbasierten Issue-Management-Prozess unterstützt die Kommunikation zwischen der Bauausführung, der Planung und allen anderen Projektbeteiligten, die keinen direkten Zugang zur Baustelle haben. Auf der Baustelle werden beispielsweise durch Augmented-Reality-Tools mit BCF-Schnittstelle entsprechende Issues (Planungsabweichungen oder ergänzende Bauteilinformationen) aufgenommen und mittels BCF über eine direkte oder indirekte Schnittstelle auf der webbasierten Issue-Management-Plattform zur Verfügung gestellt.

Für die anwendungsfall- oder gewerkebezogene Auswertung eines Projekts werden Issues mit Attributen versehen und klassifiziert. So können diese zu jedem Projektzeitpunkt nach standardisierten und/oder speziell definierten Parametern abgerufen werden, etwa Issues zum Thema Kollisionsprüfung oder aus dem Gewerk Statik oder TA und dem Subgewerk Heizung. Dazu wird je Projekt eine Matrix erstellt, die als individuell zugeschnittene Anleitung zur Issue-Klassifizierung dient. Die Matrix wird für alle zugänglich im digitalen BIM-Abwicklungsplan hinterlegt.

Dies bringt uns zum zweiten elementaren Bereich in Open-BIM-Projekten, bei dem webbasiertes Kommunikationstools für enorme Vereinfachung sorgen.

Agiles Bearbeiten digitaler BIM-Abwicklungspläne 

Der BAP ist ein lebendes Dokument, und gemeinsames Bearbeiten und Fortschreiben ist unerlässlich. Traditionell erarbeitet das BIM-Management einen ersten Entwurf und verteilt ihn an allen Projektbeteiligten, die ihn kommentiert ans BIM-Management zurückspielen. Dies führt zu diversen parallel existierenden und kommentierten Versionen von BAPs, deren individuelle Kommentare sich teilweise doppeln. Die manuelle Zusammenführung und Berücksichtigung aller Kommentare ist sehr aufwendig und fehleranfällig. Eine Alternative zu diesem Vorgehen ist die webbasierte Abwicklung einer BAP-Erstellung.

Alle an einem „digitalen Tisch”

In diesem Fall werden alle Beteiligten in einen digitalen projektspezifischen Raum eingeladen, wo sie jederzeit online Zugriff auf den aktuellen Arbeitsstand des BAP erhalten. Sie können diesen in jeder Bearbeitungsphase ausdrucken, die entsprechenden Kapitel der Web-Version bei Bedarf über eine Kommentarfunktion mit Anmerkungen ergänzen oder je Unterkapitel miteinander über das Kapitel diskutieren und Anpassungsvorschläge an den Autoren (in der Regel BIM-Management/-Gesamtkoordination) stellen. Sobald alle Kommentare berücksichtigt oder besprochen sind und die Beteiligten keine weiteren Anmerkungen haben, druckt der Autor aus dem BAP-Arbeitsstand eine PDF-Version. Diese wird nun zum Vertragsbestandteil und kann von allen Projektbeteiligten direkt digital unterschrieben werden.

BAP-Updates in späteren Leistungsphasen

Da es sich bei einem BAP um ein „lebendes“ Dokument handelt, gibt es in der Regel diverse Updates (insbesondere von LPH3 zu LPH5 u. LPH8). Auch diese Änderungen müssen die Projektbeteiligten mittragen, da sie ebenfalls Vertragsbestandteil werden. Dieses Vorgehen bietet den großen Vorteil, dass für alle Projektbeteiligten die BAP-Arbeitsstände sowie die neueste belastbare BAP-Version sehr transparent und von überall zugänglich sind. Jede BAP-Version wird entsprechend archiviert und kann jederzeit von allen dafür vorgesehenen Partnern eingesehen werden. So können andererseits einzelne Kapitel für verschiedene Gruppen/Personen ausgeblendet werden, wenn sensible Inhalte nur für bestimmte Beteiligte verfügbar sein sollen.

Erweiterung des BAP durch webbasierten LOD-Katalog

Ein webbasierter BAP bietet zusätzlich die Möglichkeit, ihn durch einen Level-of-Development-Katalog (LOD) zu ergänzen. Ein LOD-Katalog enthält die geometrischen und alphanumerischen Informationsanforderungen für das gesamte Projekt, beispielsweise definiert nach den Kostengruppe (DIN 276). Dieser kann dem BAP leistungsphasenbezogen als Parametersatz angehangen werden und für alle Beteiligten stets einsehbar gemacht werden. Sie haben so zu jeder Zeit einen Überblick, was wann gefordert ist. Erleichtert wird diese zeitliche Übersicht durch die Option eines webbasierten Terminplans, der das LOD modellbasiert auswertet. Zukünftige Entwicklungen zielen auf einen Abgleich zwischen LOD-Katalog und Modell ab.

Weitere Tools, die Open-BIM-Kommunikation erleichtern

Es gibt weitere Software-Tools, die die Kommunikation innerhalb eines Open-BIM-Projektes positiv beeinflussen können. So ermöglicht zum Beispiel modellbasiertes Mängel-/Änderungs-Management auf der digitalen Baustelle den präzisen Austausch über konkrete Situationen oder spezielle Bauteile. Die Mängel werden dabei direkt modellbasiert positioniert und sind deshalb eindeutig zugewiesen. Außerdem besteht somit die Möglichkeit, daraus resultierende Modellanpassungen ohne aufwendige weitere Abstimmungen mit den Modellverantwortlichen umzusetzen. Das BCF unterstützt hierbei den Open-BIM-Prozess in diversen Anwendungsfällen.

Webbasierte BIM-Abläufe erhöhen Kommunikationseffizienz und Kollaboration 

Beide webbasierten Tools, das Issue-Management und die kooperative BAP-Erstellung, fügen sich hervorragend in den Open-BIM-Kontext ein. Sie können unabhängig von der Autorensoftware des Projektbeteiligten in einem BIM-Projekt erfolgreich zum Einsatz kommen.

Der größte Vorteil des webbasierten Issue-Managements ist die unkomplizierte, präzise und verlustfreie Kommunikation auf Modell-Basis zwischen allen Beteiligten. Gleichzeitig dient es dazu, Besprechungsprotokolle und Projektabstimmungen über den gesamten Zeitraum zwischen der Planung eines Gebäudes und der Übergabe in den Betrieb abzuwickeln. Dies erleichtert die Auswertung eines Bauprojektes in erheblichem Maße, nicht nur während der Laufzeit, sondern auch Jahre nach der Fertigstellung.

Der Hauptvorteil des webbasierten BAPs ist die transparente, kooperative und schnellere Erarbeitung und Aktualisierung eines lebendigen Dokuments. Insbesondere in einem Open-BIM-Projekt ist es wichtig, alle Projektbeteiligten bei den für sie relevanten Prozessen zu integrieren. Das führt zu einer höheren Akzeptanz und Bereitschaft, die inhaltlich definierten Prozesse und Anforderungen mitzutragen.

Autor/in

Jan Krieger

Jan Krieger

Formitas AG

Jan Krieger hat Maschinenbau an der FH Aachen studiert. Schon während des Studiums arbeitete er für die Formitas AG. Seit 2019 ist er bei Formitas als BIM-Manager und auch im Bereich BIM-Strategieberatung tätig. Darüber hinaus initiierte er das Thema „Digitale Baustelle“ bei der Formitas und ist als Lehrbeauftragter an der FH Aachen im Studiengang Smart Building Engineering tätig. (formitas.de)