Abbildung 1: GeoViewer@TBA-BS – das zentrale Element der bisherigen digitalen Entwicklung. GIS-Daten werden für den Nutzer einfach bereitgestellt. Daten können mobil genutzt und erfasst werden. Die Komplexität dahinter bleibt dem Anwender verborgen. BIM muss genau so einfach sein. / Quelle: Kanton Basel-Stadt
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BIM-Einführung im Amt: BIM@infraBS

Lage und Bauherr: Kanton Basel-Stadt, Schweiz
Projektdauer: 2021 bis fortlaufend
Gesamtkosten: 400.000 CHF
BIM-Anwendungsfälle: 000, 090, 200

Motivation

Neue Arbeitsweisen einzuführen fordert einen klaren Plan und vor allem Fingerspitzengefühl. Neben dem üblichen Projektaufkommen werden Arbeitskräftemangel und viele Anforderungen wie Klimaschutz als „genug“ wahrgenommen. Die Begeisterung weiterer Anforderungen durch BIM hält sich in Grenzen. In diesem anspruchsvollen Umfeld wurde die Abteilung Dokumentation des Tiefbauamtes Kanton Basel-Stadt mit der Entwicklung eines BIM-Einführungskonzepts für das Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt beauftragt. Nach ca. drei Jahren sind nun die Eckpunkte so ausgereift, um umgesetzt werden zu können. Dabei konnte die Abteilung auf ihre langjährige Erfahrung im Bereich GIS und auf viele realisierte Digitalisierungsmaßnahmen zurückgreifen.

Keine hochfliegende Strategie, sondern konkrete alltagstaugliche Projekte sollen den Umsetzenden zeigen, dass „richtige“ Digitalisierung nicht weiter belastet, sondern entlastet. So wurde auf eine realistische Zieldefinition geachtet: das BIM-Einführungskonzept soll so entwickelt werden, dass die betroffenen Einheiten „im Minimum im Umfeld der Baubranche Schritt halten“ können.

Lösungsweg

Die Planungs- und Bauprozesse wurden in der ersten Phase untersucht, damit das Konzept passgenau auf die Schwächen und Stärken und die Bedürfnisse vor Ort entwickelt werden konnte. So entstand das „konzeptionelle BIM“, wobei BIM heißt: Integration von 2D- und 3D-Daten, detaillierte Schnittstellendefinition, maschinelle Schnittstellenprüfbarkeit, Medienbrüche auflösen, GIS/BIM-Verzahnung, werkzeugunabhängig, eine (1) CDE, keine redundanten Werkzeuge, Akzeptanz bei den Mitarbeitenden und permanente Weiterentwicklung.

Aktuell existiert unter den unterschiedlichen Anspruchstellern der Infrastruktur im Kanton eine festgelegte gemeinsame Arbeitsweise, welche Rollen und Projektabläufe regelt: das sogenannte GMI (Geschäftsmodell Infrastruktur). Diese Anforderungen sollen zukünftig als IDMs (Information Delivery Manuals = Handbücher der Informationslieferungen, gem. SN EN ISO 29481) standardisiert in einem Gefäß dokumentiert, publiziert und fortgeführt werden.

Abbildung 2: IDM – das Wasser zwischen den Inseln wird aufgeschüttet. Projektrisikenschwinden, wenn die unterschiedlichen Anforderungsthemen (= Inseln) beider Projektbearbeitung durch das IDM miteinander vernetzt (= Verbindungen) undfehlende Anforderungen ergänzt werden.

Bildcredit: Quelle: Kanton Basel-Stadt

Bei den Anforderungen an die Schnittstellen durch das „konzeptionelle BIM“ wurde ein besonders hohes Potential für Automatisierungen, sowie Qualitäts- und Effizienzsteigerungen erkannt. Somit ist die Methodik bei der Einführung von BIM festgelegt: zuerst definieren – dann mit BIM marschieren. Der Vorteil: alle Anforderungen sind zentral (single source of requirements) an einem Ort abrufbar für Mensch und Maschine. Viele Anforderungen existieren bereits in vielen Normen und Richtlinien, nur für welche Schnittstellen werden welche Regelungen im BIM-Umfeld explizit angewendet? So ist das IDM als zentrale „Linksammlung“ zu sehen, die auf die bestehenden Anforderungen hinweist und die fehlenden Anforderungen für eine BIM-Arbeitsweise ergänzt. Das Ziel ist, mögliche Unklarheiten zu eliminieren und eine gemeinsame Sprache zu fördern. Die IDMs werden von einem zentral organisierten Team aufgestellt und mit den Satelliten, also den Fachexperten, inhaltlich abgestimmt.

Fazit

Die Erfahrung zeigt, dass die Ansätze des „konzeptionellen BIMs“ gut funktionieren. Wichtig ist: die „richtigen“ Personen werden mit den „richtigen“ Fragen konfrontiert (Anwendungsfalldefinitionen, Prozesse, Informationsanforderungen); eine zentrale koordinative Einheit treibt die IDM-Entwicklung voran (das sog. Kernteam); und für die Endanwender sind die produzierten Lösungen maximal einfach zu bedienen. Im Hintergrund steht ein vernetzter IDM-Anforderungskatalog, der alle Schnittstellen abdeckt und sich ständig weiterentwickelt. Aus dem IDM-Katalog werden alle Anforderungen an die Projekte (z. B. AIA/BAP) oder Entwicklungen der Daten und Schulungen abgeleitet.

Als realistische Einführung beschreibt dieses Konzept kleine Schritte (Kostenermittlung im Vorprojekt, Planfreigabeprozesse, Checklisten, Baufortschritt), die nicht als das „große BIM“ daherkommen. Was zählt, ist die für den Nutzer spürbare Entlastung durch die Digitalisierung. Ein erster Anwendungsfall ist beispielsweise die automatisierte Bereitstellung der Grundlagen durch die Anbindung der GIS-Systeme an die Projektumgebung in einer CDE. Die Anforderungen dazu stehen im IDM. Der Nutzervorteil: allen stehen die gleichen Grundlagen im Projekt zur Verfügung – in vielen Projekten heute leider noch die Ausnahme.

Leider ist der Begriff „BIM“ ein Stück weit „verbrannt“, als dass er bei vielen Kollegen noch Fantasien für eine bessere Arbeitsweise befördern würde. Daher erscheint der Begriff „Digitales Planen, Bauen und Betreiben“ angemessener. Wir sind überzeugt: Nutzer und BIM-Organisatoren finden durch das Ausformulieren einer besseren Arbeitsweise in überschaubaren Schritten neue Wege. Die IDM-Methodik definiert die Spielregeln in Projekten eindeutig und die Technik lässt eigentlich keine Wünsche offen, sodass einer Einführung im Kanton Basel-Stadt nichts mehr im Weg steht. Sicher braucht es dennoch viel Überzeugungskraft und die positive Einstellung: „Stell dir deine Arbeit doch mal einfacher und besser vor, mit optimalen Prozessen und Werkzeugen …“

Jaud IT GmbH

Wir sind ein junges, dynamisches Unternehmen aus dem Münchner Speckgürtel. Wir zeichnen uns durch maßgeschneiderte Beratung und spezialisierte Softwarelösungen, insbesondere für die Baubranche, aus. Unsere Lösungen passen wir an die spezifischen Anforderungen unserer Kunden aus der öffentlichen Hand sowie der privaten Wirtschaft an. Hier greifen wir auf langjährige Erfahrung im akademischen sowie im praktischen Bereich der Digitalisierung der Baubranche zurück.

Wir unterstützen Ämter erfolgreich bei der BIM-Einführung, prüfen BIMVertragsunterlagen für die Auftraggeber und -nehmer, entwickeln neue Algorithmen und etablierte Anwendungen für die Softwarehäuser. Daneben beteiligen wir uns an Forschungs- und Standardisierungsvorhaben mit Beteiligten aus der freien Wirtschaft, der akademischen Welt und dem öffentlichen Bereich, um die Zukunft mitzugestalten.

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