Merle Richelsen
 | Interview & Meinung

„Auch im Change Management können wir auf Basis von Zahlen und Fakten reden“

Am 7. Mai 2024 organisiert buildingSMART Deutschland in Erfurt einen Roundtable "Change in der Bau- und Immobilienwirtschaft – Digitalisierung gestalten". Hintergrund ist, dass die Einführung von neuen Technologien und Methoden aufgrund der Vernachlässigung des Faktors Mensch oftmals scheitern. Dies kann durch die Beachtung wesentlicher Aspekte verhindert werden. Wir sprachen mit Merle Richelsen, einer der Hauptinitiatorinnen des Roundtabe, was Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dem Nachmittag erwarten können.

Merle, Change ist ein Querschnittsthema, das schwer einem bestimmten Unternehmensbereich zugeordnet werden kann, meist wird es wohl dem Personalbereich angefügt. Wie ist Deine Einschätzung, wer sollte sich mit dem Thema Change im Kontext der digitalen Transformation befassen?
Das Thema wird tatsächlich häufig aus dem Personalbereich initiiert, weil dort das Verständnis dafür herrscht. Es ist jedoch dringend notwendig, dass das Thema in den Projekten oder Fachbereichen mitgedacht wird. Nehmen wir das Beispiel BIM: Hier sollte das Thema Change direkt mit einer Person im Projekt besetzt werden – und zwar so, dass das Thema als gleichwertige Fachdisziplin gesehen wird. Dies ist momentan leider häufig nicht der Fall.

Immer wieder heißt es auch, dass Change ein Führungsthema ist.
Aktuell stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, dass es bei der Einführung von neuen Technologien bzw. Methoden Projektverantwortliche gibt, die sich um das jeweilige Thema kümmern – motiviert und mit vollem Engagement. Allerdings ist der Wirkungsbereich dieser Projektverantwortlichen eingegrenzt durch deren Position in der Gesamtstruktur der Organisation. Der Interessensbedarf ist meist allerdings größer und geht über das jeweilige Projekt hinaus. Daher ist es enorm wichtig, dass Führungskräfte die Vorhaben unterstützen, um den Wirkungsbereich zu vergrößern und das Know-how aus den Projekten nicht versanden zu lassen – je weiter oben angesiedelt, desto besser. Wichtig ist auch, dass bei Führungskräften die Erkenntnis entsteht, dass sie die Veränderung vorleben müssen, bevor sie diese von ihren Mitarbeitenden erwarten können.

Digitalisierungsprojekte scheitern zudem oft, weil die involvierten Menschen nicht mitgenommen werden.
Die Formulierung „Menschen mitnehmen“ hat eine passive Komponente und stellt Hierarchien her. Daher würde ich nicht von „Mitnehmen“ sprechen wollen. Es geht beim Wandel darum, zu erklären, warum Dinge gemacht werden und inwieweit jede und jeder einzelne von den Änderungen betroffen sein wird.
Außerdem sollte einem bewusst sein, dass diejenigen, die zum Beispiel BIM einführen, sich intensiv mit dem Thema beschäftigen und die Sinnhaftigkeit des Themas verstehen; bei vielen anderen Kolleginnen und Kollegen ist dies aber nicht der Fall, die hören aus unterschiedlichsten Quellen etwas zu dem Thema, müssen sich gleichzeitig aber auch auf ihr Tagesgeschäft konzentrieren. Neues wird da im Zweifelsfall ausgeblendet. Es geht also darum, den Sinn des Vorhabens mit den konkreten Auswirkungen zu kommunizieren. 

Da spielt dann eine Menge Psychologie rein?
Ja, jeder ist in seinem Arbeitsbereich ja irgendwie auch gesettelt, es gibt den Job, in dem man sich im besten Fall wohlfühlt. Veränderung hat aber immer auch etwas mit Verlust und einem gewissen Schmerz zu tun. So kommt es oft zu einer (unterbewussten) Skepsis. Daher: Wird eine Veränderung nur übergestülpt, reagiert der Mensch mit Zurückhaltung und Ablehnung. Weil er es nicht versteht.

Was können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am „buildingSMART-Roundtable Change in der Bau- und Immobilienwirtschaft – Digitalisierung gestalten“ am 7. Mai 2024 in Erfurt erwarten?
Der Roundtable wird ein interaktives Format werden, bei dem ein gemeinsamer Nenner über Change im Kontext der Bau- und Immobilienbranche und in Digitalisierungsprojekten hergestellt werden soll. Wir werden die größten und gleichen Schmerzpunkte unter den Teilnehmenden identifizieren und über diese sprechen. Wir werden schauen, wie man diese Schmerzpunkte durch Change-Management in der Praxis angehen kann – im Großen wie im Kleinen. Der Faktor Mensch soll mehr Gewicht im Vorhaben Digitale Transformation erhalten.

Was an dem Roundtable angeteasert wird, könnte in einer späteren buildingSMART-Fachgruppe münden, die mit ihrer Arbeit dann in die Tiefe gehen wird?
Genau. Für uns ist es wichtig, dass es nicht nur um Theorien geht, sondern dass wir Handlungsanleitungen erarbeiten, die in Projekten mitgedacht werden sollten, um Initiativen erfolgreich zu machen. Wichtig ist mir außerdem darzustellen, dass es bei dem Thema nicht um ein, salopp gesagt, weichgespültes Gequatsche geht, sondern dass wir durchaus Dinge messbar machen können, z.B. wie viel Geld beim Scheitern von Projekten verlorengeht – wir können auch im Change Management auf Basis von Zahlen und Fakten reden.

Merle, vielen herzlichen Dank für das Gespräch!

Infos und Anmeldung zum Roundtable "Change in der Bau- und Immobilienwirtschaft – Digitalisierung gestalten"

Über Merle Richelsen

Merle Richelsen hat ein Bachelorstudium Internationales Facility Management und ein Masterstudium Wirtschaftspsychologie absolviert. Heute ist sie Head of People & Transformation bei der vrame consult GmbH in Hamburg, einem buildingSMART Deutschland-Mitgliedsunternehmen.