Bild: Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr / Winszczyk
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Bauministerkonferenz fordert vom Bund Rechtsrahmen für digitale Baugenehmigungen

Die 147. Bauministerkonferenz (BMK) hat am 20. und 21. November 2025 in Würzburg beraten, wie Deutschland einfacher, schneller und kostengünstiger bauen kann. Unter Vorsitz des bayerischen Bauministers Christian Bernreiter beschlossen die für Städtebau, Bau- und Wohnungswesen zuständigen Ministerinnen und Minister sowie Senatorinnen und Senatoren der Länder Maßnahmen, die den Wohnungsbau stärken und bezahlbares Wohnen sichern sollen. Für den Bund nahm Bauministerin Verena Hubertz teil.

BIM-basierter Bauantrag mit großem Potenzial

Die Länder fordern den Bund auf, den Rechtsrahmen für digitale Baugenehmigungen zu schaffen. Ein BIM-basierter Bauantrag soll die Verfahren beschleunigen und die Datennutzung verbessern.

Neue Plattform zum kostengünstigen Bauen

Bund und Länder wollen ihre Ergebnisse und Projekte zum kostengünstigen Bauen auf einer gemeinsamen Plattform bündeln. Sie richtet sich an Bund, Länder, Kommunen und die Bauwirtschaft. Die Plattform bietet einen zentralen Anlaufpunkt und erleichtert den Wissenstransfer zu erprobten Lösungen.

Mit der Bauministerkonferenz senden wir ein klares Signal: Die Baukosten müssen runter. Bund und Länder packen das gemeinsam an. Ein wichtiger Schritt ist die ‚Plattform kostenreduziertes Bauen‘. Überall im Land gibt es kluge, günstige Bauideen. Wir bündeln sie, machen sie sichtbar und bringen sie in die Fläche. Mehr Austausch, mehr Wissen, mehr Effizienz. Ein weiterer Schritt ist der Gebäudetyp E. Weniger ist mehr: einfacher, schneller, günstiger bauen und ohne Qualitätsverlust. Erste Länder zeigen, dass es geht.
Verena Hubertz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen
 „Wir stehen vor einer doppelten Aufgabe: Neubau wieder möglich zu machen und Klimaschutzanforderungen so auszurichten, dass sie bezahlbaren Wohnraum nicht ausbremsen. Die gemeinsame Plattform zum kostenreduzierten Bauen ist ein entscheidender Schritt. Erstmals entsteht eine bundesweite Struktur, die funktionierende Lösungen bündelt und föderales Schwarmwissen sichtbar und nutzbar macht. So vermeiden wir Doppelarbeit, stärken Kooperation und schaffen die Grundlage für skalierbare Einsparungen. Der Hamburg-Standard hat vorgerechnet, wie Einsparungen bis zu 2.000 Euro pro Quadratmeter möglich sind – solche Lösungen sollen nun deutschlandweit Anwendung finden. (…). Unser Ziel ist klar: Wir wollen ein Bau- und Wohnsystem, das innovationsfähig ist, Kosten senkt, Klimaschutz sinnvoll organisiert und Menschen wieder eine realistische Chance auf bezahlbaren Wohnraum gibt.“
Karen Pein, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen der Freien und Hansestadt Hamburg

Weitere Beschlüsse der Bauministerkonferenz im Überblick:

  • Gebäudetyp E

Die BMK fordert den Bund auf, den zivilrechtlichen Rahmen für das einfache Bauen im Gebäudetyp-E-Gesetz anzupassen. Die Länder haben die Möglichkeiten zum einfachen Bauen in ihren Bauordnungen bereits erweitert. Erste Pilotprojekte zeigen: Der Gebäudetyp E kann die Bauwerkskosten um mehr als 15 Prozent senken, weil er überzogene Standards reduziert und bürokratische Vorgaben hinterfragt.

  • Erleichterungen beim Umbau

Umbauten im Bestand sollen einfacher werden. Deshalb nimmt die BMK weitere Erleichterungen in die Musterbauordnung (MBO) auf. Vor allem bei Abstandsflächen sowie beim Wärme- und Schallschutz werden die Anforderungen in einzelnen Bereichen herabgesetzt, um Umbauten wirtschaftlicher und schneller zu machen.

  • Beschleunigung und Vereinfachung von Vergaben

Aus Sicht der Länder behindern vergaberechtliche Hürden bislang das serielle, modulare und systemische Bauen. Die BMK fordert den Bund auf, die Zusammenfassung mehrerer Leistungen zu erleichtern und damit Vergabeverfahren zu vereinfachen und zu beschleunigen.

  • BauGB-Novelle

Bauen ist in Deutschland zu komplex und zu teuer. Nach Ansicht der BMK bremsen vor allem lange, bürokratische Planungs- und Genehmigungsverfahren den Wohnungsbau. Zusätzliche Vorgaben etwa aus Natur- und Immissionsschutz verlängern die Verfahren weiter. Die BMK fordert die Bundesregierung auf, nach dem „Wohnungsbau-Turbo” weitere umfassende Reformen zügig und in enger Abstimmung mit den Ländern umzusetzen, um den Wohnungsbau wirksam voranzubringen.

  • Wahlmöglichkeit der Abschreibungsdauer im Wohnungsbau 

Die BMK setzt sich für bessere steuerliche Rahmenbedingungen ein, um Investitionen im Wohnungsbau zu fördern. Mit Blick auf bestandshaltende, sozial orientierte Wohnungsunternehmen fordert sie die Bundesregierung auf, das Steuerrecht so zu ändern, dass Neubauten optional wieder über einen längeren Zeitraum abgeschrieben werden können – entweder wie bisher über 50 Jahre oder über 80 Jahre. Längere Abschreibungszeiträume können den sozialen Wohnungsbau entlasten, weil sie die steuerliche Belastung strecken und den Kapitalfluss verbessern.